Der Dauerläufer und Kurvenfeger: Honda XBR 500 - die Fässer

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Der Dauerläufer und Kurvenfeger: Honda XBR 500

Motorräder
Beschreibung und Kauf
Das ist meine Honda XBR500, sozusagen das beste Pferd im Stall. Im Juni 1991 nach 5 Vorbesitzern und 21.400 km auf der Uhr, kam sie in unsere Garage und dort steht sie bis heute, wenn sie nicht unterwegs ist. Nach fast sieben Jahren Abstinenz wieder ein Motorrad - und was für eins. Im Fahrverhalten und Handlichkeit kann sie mit der Maico nicht ganz mithalten, aber dafür hat sie einen grundsoliden leistungsstarken Viertakter, der auch mal untenrum zieht, und in Sachen Zuverlässigkeit alles bisher da gewesene in den Schatten stellt.
So zeigte Sie sich als sie kam - nahezu serienmäßig, aber das sollte sich im Laufe der Zeit ändern. Als Extra waren von Anfang an die stabilen Träger und Koffer von Hepco&Becker dran.

Umbau für Alltag und Langstrecke
Eine Autobahnfahrt nach Süddeutschland ließ dann den Wunsch nach Windschutz aufkommen. Auch Sitz und Sitzposition waren besonders für die Sozia nicht so ganz optimal.
Es war also Handlungsbedarf:  Die Sitzbank zum Sattler der sie genau an unser Sitzfleisch anpasste. Der serienmäßige Stummellenker wich einem neuen von Telefix. Offiziell zwar auch ein Stummellenker, aber verstellbar, eben auch in der Höhe.Für mehr Windschutz sorgte dann noch eine Lenkerverkleidung von Hein Gericke, damals in den neunzigern noch Standardbauteil. Nach Jahren, in denen ich auch über die Wintermonate gefahren bin, war dann der Serienauspuff durch. Als Ersatz fiel die Wahl auf die kostengünstigere Micron Anlage. So wurde die Honda zwar kein
Tourendampfer, aber schon für die damaligen Verhältnisse langstreckentauglich. Aber vor Allem war sie ein rundherum zuverlässiges Alltags-Motorrad mit dem ich oft und gerne zur Arbeit gefahren bin.
Zweitmaschine und Rückbau
Als das gute Stück 60.000km abgespult hatte, konnte ich für kleines Geld eine Unfallmaschine gleichen Baujahrs kaufen, alledings mit dem 27PS Motor. So für den Ersatzteilbedarf hatte ich gedacht und immer gut wenn man einen zweiten Motor in Haus hat. Der Unfallschaden war dann doch nicht so groß wie gedacht und so kam auch die zweite XBR wieder ans laufen. Zuerst für mich als Zweitmaschine, dann für unseren Sohn.
Als dann Anfang 2002 unsere Triumph ins Haus kam, wurde die 'Kleine' abgestellt und die 'Große' wieder in den (fast) Originalzustand versetzt.  Die ursprüngliche Sitzposition (Lenker, Siztbank) habe ich wiederhergetsellt, die Koffer samt Träger abgebaut und vor allem auf Bridgstone BT45 umbereift. Die hatte ich schon auf der Kleinen angetestet. Diese Reifen verhelfen der XBR zu den superhandlichen Fahreigenschaften und bieten deutlich mehr Grip als alles was ich vorher an Reifen drauf hatte.

So mutierte das ehemalige Alltagsmotorrad wieder zum Straßenfeger für die Bergischen Landstraßen - jetzt war ja die Triumph für Langstrecken und Touren da.
Motorrevision
 Ja, bei 60.000 km hatte ich mir schon Sorgen um den Motor gemacht. Was man so von anderen Einzylindern dieser Größenordnung hört, so ist man mit der Laufleistung damit schon am Limit, doch meine Honda lief weiter. Natürlich braucht ein Eintopf Öl und wenn die 100.000km überschritten werden auch etwas mehr. Erst so gegen 150.000km wurde der Ölverbrauch dann doch mehr und ich wollte mal nachschauen. Also Dichtungssatz für den Motor besorgt, Motor auf die Werkbank  und Zylinder und Kopf zerlegt. Diagnose: Kopf, Nockenwelle, das Kipphebelgedöns, Ventilführungen alles in Ordnung. Am Zylinder habe ich ein Ringstoßspiel von ca 0,5mm gemessen, also auch OK. Hohnspuren am Zylinder und Drehriefen am Kolben sind noch sichtbar - es ist unglaublich nach der Laufleistung.
 Einzig die Auslassventile hatten Ablagerungen, auch auf der Dichtfläche, was den Kompressionsverlust erklärt. Also Ventile und Sitzringe gesäubert und neu eingeschliffen, neue Schaftdichtungen drauf und alles wieder zusammengebaut. Ergebnis: Der Ölverbrauch ist weg, die Kompression wieder da.
Resume: Die Schaftdichtungen am Auslass sind der Schwachpunkt (wenn man nach 150.000km davon reden kann). Da sickert Öl durch und führt dann zu den Ablagerungen im Auslassbereich. Nicht ganz zufrieden war ich mit der Steuerkette. Die hat sich wohl auch etwas gelängt und dadurch passt die Flucht der Markierungen nicht ganz mit dem OT des Motors zusammen.  Aber das habe ich erst beim zusammenbauen entdeckt. Macht nix - das mach ich dann bei der nächsten Motorüberholung bei 300.000km?
Unterm Strich zeigt sich am zerlegten Motor die bei Vierventilern typische hohe thermische Belastung des Zylinderkopfes im Auslassbereich. Zu erkennen einmal an den Spannungsrissen zwischen Ventilsitzen und Kerzengewinde, aber auch die verschlissenen Ventilschaftdichtungen passen da ins Bild. Vielleicht ist da auch ein Ölkühler eine gute Idee.
Bremsen-Umbau
Ein Schwachpunkt der XBR (jedenfalls aus meiner Sicht) sind die Bremsen. Gerade, wenn man flott unterwegs ist, nach dem Motto 'wer später bremst ist länger schnell'. Die Trommel hinten ist von der Kategorie 'geht so', aber das Hinterrad ist zum blockieren zu bringen und die Dosierung ist hinten ja auch eher nebensächlich. Kritischer ist hier die Vorderradbremse. Die erforderlichen hohen Handkräfte der originalen Anlage stehen einer gefühlvollen Betätigung im Wege. Umrüstung auf Scheibe und Beläge von Brembo ergibt hier schon Besserung, eine Stahlflexleitung tut ein Übriges. Aber für ordentliche Bremsleistung waren aber größere Eingriffe nötig. Dazu habe ich an meiner Triumph die große 320er Scheibe ab- und an der Honda angebaut - passt! Nur passt natürlich jetzt der Bremssattel nicht mehr. Der muss weiter nach außen. Also habe ich einen Adapter
entworfen, der den originalen Bremssattel auf die große Scheibe positioniert. Material bestellt und die Teile gefertigt. Angebaut und zaghaft auf der Probefahrt die ersten Bremsungen gemacht. Der Erfolg ist mehr als deutlich und seit dem geht bei der Honda auch was auf der Bremse!
Inzwischen ist das Teil schon mehrere Jahre dran, hat etliche tausend KM gemacht und auch schon unbemerkt einige HU's hinter sich. Das Verschleißbild an Belägen und Scheibe ist völlig unauffällig, was zeigt, dass die Maßnahme ein Erfolg auf der ganzen Linie ist.
Anbau Motard-Schalldämpfer
Das Hinterrad musste raus wegen des neuen Reifens und der neuen Bremsbeläge. da lag es nahe, gleich die ganze Schwinge auszubauen und neu zu lackieren. Auch der Hauptständer bekommt neuen Lack und diverse angegammelte Kleinteile werden noch überarbeitet bzw. ersetzt. Dann war da noch die Motad-Auspuffanlage aus Edelstahl, die seit 2017 in der Garage stand. Die habe ich damals bei in der Bucht gefunden und, weil Auspuffanlagen ja nicht ewig halten, auch gekauft. Beim zusammenstecken dann die Überraschung: Krümmer-Außendurchmesser 38mm, der Innendurchmesser im Schalldämfer 45mm - das soll passen? Also eine Übergangbuchse gedreht und dem Einbau stand nichts mehr im Wege. Aber mit der neuen Anlage stellten sich recht heftige
Vibrationen im Bereich um 4000 U/min ein, die ich vorher nicht kannte. Der Verdacht: da, wo Honda die Krümmer mit dem Rahmenunterzug verschraubt, ist bei der Motad-Anlage - einfach nichts! Also habe ich eine behelfsmäßige Befestigung aus einer Gelenkbolzenschelle und einem selbstgebauten Aluhalter gefertigt und siehe da, die Vibrationen sind weg! Ob jetzt die Behelfsbefestigung bleibt oder ob noch eine Schweißkonstruktion kommt - mal sehen.
So gewinnt jedenfalls die Honda nicht nur technisch sondern eben auch optisch. Jetzt trüben nur noch die angegriffenen Motorseitendeckel den Eindruck. Doch die kommen später in einer weiteren Aktion dran.
Elektrik
Das Hauptlicht ist ausgefallen- nach 37 Jahren ein Defekt! Das ist schon ungewöhlich bei dem Teil. Birne war heile, also musste es an der Elektrik liegen. Der Blick auf den Schaltplan war ernüchternd: viele Striche, Schalter nur als Blockbild ohne Funktion, Kabelfarbe aus der Legende auslesen usw. Um zu verstehen was wie funktioniert, habe ich den Beleuchtungspfad nachgezeichnet. Erst per Hand skizziert, dann am Rechner und dann, weil ich einmal dran war auch den kompletten Schaltplan, um die Funktion deutlich zu machen. Darin geht es nicht
so sehr um den Aufbau der Elektrik, sondern viel mehr um die Funktion und die Übersichtlichkeit. Und, damit alle was davon haben, kann er hier als PDF-Datei geladen werden.
 Am Ende war es - XBR-typisch - nur eine Kleinigkeit. Etwas Korrosion vom letzten Winter im Lenkerschalter war der Auslöser für den Lichtausfall. Ein Spritzer WD40 und alles geht wieder!

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